Kleine Weincharakteristik

25. Juli 2016

Müller – Thurgau

Herkunft und Name:
Die Müller – Thurgau – Rebe wurde 1882 von Prof. Dr. H. Müller, einem Schweizer aus Thurgau, an der Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau in Geisenheim gezüchtet. Sie wird als eine Kreuzung Riesling und Silvaner angesehen. Als Müller 1891 nach Wädenswil in der Schweiz übersiedelte, um Direktor der dortigen Versuchs- und Lehranstalt für Obstund Weinbau zu werden, nahm er 150 Kreuzungen aus Geisenheim mit. Von seinem Weinbautechniker, H. Schellenberg, wurde die Nr. 58 als besonders wertvoll erkannt. Ihm haben wir es zu verdanken, daß wir die Müller – Thurgau – Rebe besitzen.

Wein:
Kennzeichnend für Müller – Thurgau – Weine ist ihre dezente Muskatnote, ihre Leichtigkeit und Frische. In den meisten Jahrgängen gibt Müller – Thurgau weiche, milde Weine mit geringem Säuregehalt, die jung am besten schmecken und daher schnell verbraucht werden sollen. Auf der Flasche sollte man die Lagerung nicht über drei Jahre ausdehnen. Mit fortgeschrittener Reife der Müller – Thurgau – Trauben schwindet das sortentypische Bukett. Bei Spätlesen kann es ganz verschwinden und der Wein sogar rieslingähnlichen Charakter annehmen, ohne die Qualität eines Rieslings zu erreichen.

Morio Muskat

Herkunft und Name:
Die Rebsorte Morio Muskat ist eine Neuzüchtung der Bundesforschungsanstalt für Rebenzüchtung Geilweilerhof / Pfalz. Sie stellt eine Kreuzung von Weißburgunder und Silvaner dar. Zu Ehren des Züchters und wegen des kräftigen Buketts wurde die Bezeichnung Morio Muskat gewählt.

Wein:
Bei guter Reife der Trauben sehr wuchtiger Wein, der viel Fülle und ein kräftiges aber ansprechendes Muskatbukett hat. Von Muschelkalkböden kommen unter diesen Bedingungen auch angenehm spritzige Weine. Auf Grund des kräftigen Muskatbuketts Liebhabersorte. Anbauwert daher begrenzt.

Irsay Oliver

Herkunft und Name:
Bei der Sorte Irsay Oliver handelt es sich um eine ungarische Tafel- und Keltertraube, die 1930 aus einer Kreuzung der Rebsorten Bratislavaer Weiße und Perle von Csaba entsstanden ist. Sehr frühe Traubensorte mit geringen Ansprüchen an die Lage und den Boden.

Wein:
Gute Weißweinsorte zur Erzeugung von Muskatweinen, kräftiges aber feines Muskatbukett, guter Körper, in sehr warmen Jahren etwas wenig Säure. Aufgrund der frühen Reife Gewinnung von Auslesen möglich.

Bacchus

Herkunft und Name:
Neuzüchtung der Bundesforschungsanstalt für Rebenzüchtung Geilweilerhof / Siebeldingen / Pfalz. Die Rebsorte Bacchus ist eine Kreuzung von Müller – Thurgau und Müller – Thurgau. Bacchus ist die römische Bezeichnung für den griechischen Weingott Dionysos.

Wein:
Zur Erreichung eines geschmacklich wertvollen Weines sind wenigstens 75 – 80° Oechsle erforderlich. Reife Weine sind extraktreich, fruchtig, mit einem eigenständigen kräftigen Bukett, das an Scheurebe erinnern kann.

Silvaner

Herkunft und Name:
Die Rebsorte Silvaner war früher die wichtigste Rebsorte des Saale – Unstrut – Gebietes, bis sie in den letzten 40 Jahren vom Müller – Thurgau zurückgedrängt wurde. Als Herkunftsland wird heute Rumänien angenommen, da die Sortenbezeichnung Silvaner (alte Schreibweise Sylvaner) auf Transsylvanien (Siebenbürgen) hinweist. Im deutsprachigen Raum zuerst in Österreich angebaut und von dort aus weiterverbreitet. Im Saale – Unstrut – Gebiet seit 1780 vorhanden.

Wein:
Die Weine des Silvaners sind geschmacksneutral, besitzen kein hervorstechendes Bukett. Silvanerweine von Gesteins- oder Kiesböden können sehr elegant und fruchtig kommen. Auf besseren Böden entstehen wuchtige Silvanerweine.

Weißburgunder

Herkunft und Name:
Der weiße Burgunder ist durch Mutation aus dem Ruländer oder Grauer Burgunder entstanden, der seinerseits aus dem blauen Burgunder mutiert ist. Herkunftsland ist eindeutig Frankreich. Die Sorte ist dort seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Die früher übliche Bezeichnung „Weißer Klevner“ wurde 1874 von einer ampelographischen Kommission in Weißer Burgunder umgewandelt, um deutlich zu zeigen, daß zum Blauen Burgunder und zum Grauen Burgunder eine enge Verwandtschaft besteht.

Wein:
Weißburgunderweine besitzen ein sortentypisches Bukett, das aber nicht an das des Ruländers heranreicht. Sie schmecken insgesamt neutraler. Um qualitativ gute Weine zu erziehlen, sollte man Weißburgunder nicht unter 80° Oechsle lesen. Erst ab 80! Oe bekommen sie die nötige Fülle. Sie stellen in der Mehrzahl der Jahre elegante, glatte, sehr harmonische Weine dar.

Traminer

Herkunft und Name:
Der Traminer in seinen unterschiedlichen Farbspielarten stellt eine typische Sorte der nördlichen Weinanbaugebiete dar. Seine Herkunft nach Tramin in Südtirol zu verlegen, ist vom Namen her verständlich, aber keinesfalls mehr als eine Vermutung. Hier ist, wie bei manch anderer Sorte, ein exakter Nachweis nicht mehr möglich. Für den Sortennamen ist allerdings der Weinort Tramin in Südtirol verantwortlich zu machen. Neben dem Riesling besitzt der Traminer die meisten Doppelnamen, was seine Bedeutung als alte Qualitätsweinsorte unterstreicht.

Wein:
Die Traminerweine zeichnen sich durch eine würzige, an Rosenduft erinnernde Art aus. Sie haben viel Spiel und, wenn sie mit 6 – 7 g/l Säure auf die Flasche kommen, auch Rasse. Weine über 90° Oechsle zeichnen sich darüber hinaus durch Fülle aus und gehören dann zu den Spitzengewächsen unter den Weißweinen. Traminer – eine Spezialität für den Liebhaber von schweren aromatischen Weißweinen; ein Wein für ganz besondere Stunden.

Riesling

Herkunft und Name:
Alte deutsche Keltertraube – urkundlich erstmalig 1430 aus der Gegend von Worms erwähnt – vermutlich im Oberrheingebiet entstanden.Herkunft des Namens nicht eindeutig bestimmbar.

Wein:
Kennzeichen der Rieslingweine ist ihre feine Rasse und Eleganz, ihr hervorragendes, mitunter an Pfirsiche erinnerndes Bukett und die immer vorhandene kräftige, fruchtige, aber keineswegs störende Säure. Riesling bringt in mittleren Jahren einen anregenden, rassigen Tischwein, in guten Jahren einen sehr harmonischen, immer eleganten, blumigen Wein und in ganz großen Jahren Spitzenweine bis hin zur Spätlese, die für den Weinkenner immer etwas besonderes zu bieten haben.

Portugieser

Herkunft und Name:
Die Heimat des Portugiesers ist trotz des darauf deutenden Namens nicht Portugal. Auch nach intensiver Suche ist die Sorte in Portugal nicht nachweisbar. Wahrscheinlich ist der Portugieser als Sorte in Österreich entstanden.

Wein:
Portugieser liefert in den meisten Jahren einen leichten, rubinroten, fruchtigen Rotwein mit unterschiedlichen, aber meist niedrigen Säuregehalten. In besseren Jahren werden auch dunkle, milde Rotweine mit etwas Burgunderart hergestellt, die von beachtlicher Qualität sein können. Portugieser ist ein leichter und angenehmer Gesellschaftswein, der sich im Zusammenhang mit Speisen, vor allem zu gegrilltem oder kurzgebratenem Schweinefleisch, als Beigetränk empfiehlt.

Spätburgunder

Herkunft und Name:
Die Urheimat des Spätburgunders ist sicher in der Burgund zu suchen, wenn hierzu auch eindeutige Nachweise fehlen. Erste schriftliche Nachweise stammen aus dem Jahre 1394. Es gibt zahlreiche Synonyme für diese Sorte. Im deutschen Sprachraum lautet die echte Bezeichnung „Blauer Spätburgunder“, im französischen „Pinot Noir“.

Wein:
Spätburgunderweine nehmen unter den Rotweinen die Stelle ein, die unter den Weißweinen der Riesling inne hat: die oberste Qualitätsstufe…
Spätburgunderweine sind vollmundig, samtig, mit einem feinen Aroma (an Bittermandeln erinnernd), körperreich und alkoholreich. Insgesamt werden aus Spätburgunder die besten Rotweine der Welt gewonnen.

André

Herkunft und Name:
Die Rebsorte André ist eine Kreuzung von Blaufränkisch und St. Laurent. Sie wurde durch Ing. J. Horak in der Züchtungsstation in Velke Pavlovice gezüchtet.

Wein:
André zeichnet sich durch hohe Erträge aus. Eine späte Traubensorte, die in erstklassigen Lagen angebaut werden muß, damit sie gut ausreift und der Säuregehalt gering bleibt. Kommt vom Typ dem St. Laurent sehr nahe, leichter Bordeauxton. In Spitzenjahren voll harmonisch, sehr gute Farbe.

Blauer Zweigelt

Herkunft und Name:
Ältere Neuzüchtung der Höheren Bundeslehranstalt für Wein und Gartenbau Klosterneuburg / Österreich. Kreuzung Blaufränkisch und St. Laurent. Züchter und Namenspate ist Prof. Dr. Zweigelt, ehemaliger Direktor der Höheren Bundeslehranstalt in Klosterneuburg.

Wein:
Körperreicher, milder Rotwein, nachhaltig im Bukett, an Blaufränkisch erinnernd. Intensivere Farbe als Spätburgunder. Unter den Bedingungen des Saale – Unstrut – Gebietes oft besser als Spätburgunder.